Teamtool zur Reflexion digitaler Kinder- und Jugendarbeit – Virtueller Stammtisch zur fachlichen Qualitätssicherung

Am 21.10. 2022 wurde, in Ergänzung zu den Wiener Leitlinien für digitale Kinder- und Jugendarbeit, das Teamtool zur Reflexion digitaler Kinder- und Jugendarbeit als weiteres Instrument der fachlichen Qualitätssicherung im Rahmen eines virtuellen Stammtisches vorgestellt.  Die Teilnehmer*innen konnten einen ersten Einblick in das Teamtool bekommen und in vier parallelen Breakoutsessions erste Fragestellungen dazu diskutieren. Es freut uns sehr, dass Dolores Bakos, Abgeordnete von NEOS für den Wiener Landtag und den Gemeinderat, in Vertretung unseres Jugendstadtrates Christoph Wiederkehr, die Veranstaltung eröffnet und auch mitdiskutiert hat.

Fachlich ergänzt wurde der Stammtisch durch einen Vortrag von Lutz Siemer. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter von heurekaNet, einem  freien Institut für Bildung, Forschung und Innovation in Münster.  Hier geht es zum Vortrag: https://lutzsiemer.files.wordpress.com/2021/10/l.siemer-dyw-gekommen-um-zu-bleiben.pdf

Das Teamtool als Gebrauchsanleitung

Das Teamtool zur Reflexion digitaler Kinder- und Jugendarbeit soll Wiener Jugendarbeiter*innen als Gebrauchsanleitung dienen, um in Klausuren oder Teamsitzungen digitale Angebote des Teams, des Vereins oder der Organisation, zu reflektieren. Die sieben Teile können einzeln oder am Stück bearbeitet werden. Wir empfehlen sich für jeden Teil etwa 1 Stunde Zeit zu nehmen. Idealerweise beginnt ihr mit den Themen “Unser digitaler Ist-Stand” und mit den “Zielen”. 

Digitalen Ist-Stand framen

Ziel ist es hier einen Abgleich zwischen aktuellen Angeboten und Wissensständen der Mitarbeiter*innen und den Bedürfnissen unserer Zielgruppen bzw. aktuellen Entwicklungen in der digitalen Welt zu erstellen.

Ziele benennen

Wir empfehlen, Innezuhalten und zu hinterfragen: W a r u m  tun wir das eigentlich? Manchmal springt man ins Tun ohne über die Ziele nachzudenken bzw. die Ziele zu benennen. Welchen Mehrwert hat es für die Jugendlichen, dass wir uns mit digitalen Dingen beschäftigen? Was wollen wir bewirken – wie kommt es bei den Jugendlichen an?

Digitale Räume der Jugendlichen erkunden


Was die von uns betreuten Kinder und Jugendlichen im Internet tun, sehen wir sicher nur am Rande. Wir sollten uns aber dennoch mit Fragen beschäftigen wie:

  • Welche digitalen Tools verwenden unsere Zielgruppen?
  • Wo docken wir Jugendarbeiter*innen bereits an?
  • Wo halten wir uns bewusst raus? Und warum?

  
Eigene Digitale Rolle reflektieren

Es gibt ganz viele Rollen, die im digitalen Raum eingenommen werden können – wichtig ist, sich auch dort immer als Jugendarbeiter*in zu verstehen und nicht z.B. als Kumpel/Freund*in.
Unserer Erfahrung nach braucht es Zeit, sich in diese Rolle(n) einzufinden und sich darin auch wohlzufühlen – die Reflexion und der Austausch im Team kann dabei unterstützen   

Beispiele für unterschiedliche Rollen wären:

  • sorgende Jugendarbeiter*in, die nachfragt und Beratung anbietet
  • spaßige Jugendarbeiter*in, die sich auf Challenges einlässt, online zockt, usw.
  • aufklärende Jugendarbeiter*in, die spannende Infos einbringt und zu Reflexion anregt

Positionierung und Haltungen einnehmen

Generell lebt auch digitale Jugendarbeit von Offenheit und Neugierde. Wir müssen als Jugendarbeiter*innen nicht immer einer Meinung sein, aber es gibt Themen, bei denen es wichtig ist sie auszudiskutieren und dann an einem Strang zu ziehen.
Z.B.: Wo ziehen wir die Grenze bei bestimmten Medieninhalten? Wie schauen die “Hausregeln” in unseren Online-Räumen aus?

Kompetenzen im Team sichtbar machen

Es wäre sehr schade die digitalen Kompetenzen unserer Kolleg*innen und Mitarbeiter*innen nicht zu nutzen. Jede/r hat seine/ihre Stärken in der digitalen Welt. Stellt einmal fest: “Was kann wer besonders gut?”. „Wo sehen andere Teammitglieder meine Stärken?“
Macht diese Kompetenzen sichtbar und nutzt verschiedene Weiterbildungsangebote im WIENXTRA Institut für Freizeitpädagogik (IFP), im WIENXTRA Medienzentrum oder auch bei Safer Internet.

Teamarbeit und Teamgefühl in der digitalen Jugendarbeit fördern

Wir sind überzeugt, dass digitale Jugendarbeit Teamarbeit sein muss! Das bedeutet nicht, dass alle online sein oder alle posten müssen, dennoch sollten alle vom Team daran beteiligt sein zu entscheiden, was im digitalen Raum passiert und wie mit bestimmten Situationen umgegangen wird. Fragestellungen können sein:

  • Wie können wir aufeinander schauen?
  • Wie können Grenzen  – eigene und die von Kolleg*innen – erkannt werden?
  • Wie können wir auch im digitalen Raum ein Teamgefühl entwickeln?

Digitalisierung der Jugendarbeit als Potential

In den vier Breakoutsessions wurde intensiv zu den Themen Ziele, Digitale Rolle, Positionierung und Haltung sowie zum Thema Teamarbeit/Teamgefühl gearbeitet.  So wurde festgehalten, dass durch die Corona-Pandemie die Digitalisierung in der Jugendarbeit erfolgreich weiterentwickelt werden konnte und deren Nutzen für die Zielgruppen sehr deutlich wurde, nicht zuletzt auch für Politik und Gesellschaft. Als wichtig erachtet wird auch, dass alle Jugendarbeiter*innen für sich die Meinung mittragen, dass Jugendarbeit auch im digitalen Raum stattfindet. „Bestimmte virtuelle Räume pauschal zu verweigern wäre so, als würde ein/e Streetworker*in verweigern, ein bestimmtes Grätzl kennen zu lernen“.

Gebt uns Feedback!

Wir hoffen, dass das erarbeitete Tool dabei unterstützt, die Qualität und Vielfalt der digitalen Angebote weiterhin zu verbessern. Es ist ein Instrument zur Qualitätssicherung und soll sich als „work in progress“ weiterentwickeln. Wir wollen ihn im Frühjahr 2022 überarbeiten.
Wenn ihr das Teamtool verwendet, nehmt euch bitte kurz Zeit und gebt uns Feedback.
Wir bauen das in die nächste Version ein.

Hier findet ihr, neben den Wiener Leitlinien zur digitalen Kinder- und Jugendarbeit, das Teamtool sowie den Link zur Rückmeldung:

https://www.wien.gv.at/freizeit/bildungjugend/jugend/digitale-leitlinien.html

Wir freuen uns über zahlreiche Rückmeldungen!

Ach ja, das aktuelle „Wir“ ist die Projektgruppe „Digitale Kinder- und Jugendarbeit“, bestehend aus: Ewald Hauft, Anu Pöyskö, Michaela Anderle, Marcella Merkl, Benjamin Schmid, Veronika Haberl und mir.

Christina Pantucek-Eisenbacher
Stadt Wien – Bildung und Jugend

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