Gaming in der Jugendarbeit – oder nur im Lockdown?

Das Jahr 2020 hat für die Kinder- und Jugendarbeit unter anderem bedeutet, sich neu zu erfinden. Ein wichtiger Teil der neuen Entdeckungen bei JUVIVO.15 waren Onlineangebote für unsere Zielgruppen in verschiedensten Formen. Viele Menschen, aber vor allem Kinder und Jugendliche, nutzen – und nutzten auch schon vor COVID-19 – Social Media & CO; Ebenso dürfte es sich mit Online-Gaming in allen Varianten verhalten, allerdings liegen hierzu keine differenzierten Zahlen vor. Die Frage, wie wir als Jugendarbeiter*innen während eines Lockdowns den Kontakt zu unseren Zielgruppen aufrechterhalten können, wurde uns recht schnell beantwortet, da unsere Kids und Jugendlichen in der digitalen Welt stark verankert sind und sie uns während des ersten Lockdowns aktiv aufgefordert haben, sie online „zum Zocken” zu treffen.

Die Idee „nur” die pädagogischen Settings wie Lernhilfe und Beratung anzubieten, war uns zu kurz gegriffen und wir wollten auch Angebote schaffen, die mehr im Sinne der Freizeitpädagogik, Spaß und Unterhaltung stehen: denn gemeinsam spielen ist ein wichtiger Teil unseres Betreuungsauftrages und hat auch methodische Zwecke.

Skribble mit uns!

Um Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen und geschlechterübergreifend anzusprechen, wählten wir anfangs Onlinegames wie 4-Gewinnt, Billard und Schach aus und boten an zwei Tagen in der Woche für zwei Stunden an, uns online zum Spielen zu treffen. Bald wurde uns klar, dass ein Nachteil darin bestand, dass diese Spiele nicht als Gruppe spielbar sind. Nach einiger Recherche entdeckten wir das Spiel „Skribbl”, wo Begriffe abwechselnd von jeweils einer Person gezeichnet werden, während die anderen erraten müssen, um was es sich handelt. Vorteil dieses Spiels: Bis zu 15 Personen können gleichzeitig spielen, der Nachteil ist allerdings, dass es für Kinder, die nicht Deutsch als Erstsprache haben, schwieriger und so auch schneller frustrierend sein kann. Es ist trotzdem sehr beliebt.

Gehen wir live?

Über Insta-live haben wir einfach geplaudert: Kids, die wollten konnten sich zuschalten und direkt mit uns sprechen oder ihre Anliegen in den Chat schreiben. Im Laufe der Zeit haben wir in diesen Livesendungen eine Art Quizshow gemacht, manchmal mit Scherzfragen und manchmal mit ernsten und mit Wissensfragen. Auch diese Show ist beliebt, wir haben aber festgestellt, dass es stark vom Wochentag abhängt, wie viele mit uns quizzen wollen. Einen weiteren Versuch haben wir mit einer „Wo sind Wir?”-Liveshow gestartet, bei der wir im Bezirk unterwegs waren und Ausschnitte verschiedener Plätze zeigten. Die Zuschauer*innen mussten raten an welchem Ort wir uns befinden. Diese spielende Methode ermöglicht uns gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen einen regionalen Bezug herzustellen und sie herauszufordern, wie wir draußen unterwegs zu sein und die Welt und den 15ten auch in diesen Zeiten zu erobern.

Konsolen-Spielen

Wir sind außerdem dabei eine Spielekonsole anzuschaffen, mit der auch online gespielt werden kann, die dann in einer Post-Covid-Zeit auch in der Einrichtung genutzt werden kann. Eine PS5 eröffnet viele neue Möglichkeiten und vor allem Online-Games ohne fragwürdigen Datenschutz und Werbung. Wir freuen uns darauf, diese auszuprobieren.

Von Nachteilen und Experimenten

Problematisch bei diesen Angeboten ist, dass nur diejenigen angesprochen werden, die bestimmte Plattformen bereits nutzen bzw. entsprechende Technik besitzen; selten gelingt es uns neue User*innen zu gewinnen. Es ist derzeit schwierig ein Feedback einzuholen, vor allem von den Personen, welche die Plattformen nicht nutzen und die wir mit unseren digitalen Angeboten nicht erreichen. Es ist nicht leicht die „richtigen” Angebote auszuwählen, die zum einen der Zielgruppe zusagen, zum anderen möglichst frei von Gewalt sind und datenschutzrechtlich zumindest nur wenige Bedenken auslösen.

Diese digitale Welt ist weitgehend Neuland für uns, vielleicht nicht immer privat, definitiv aber professionell und die Möglichkeiten, die sie bietet, sind vielfältig. Die Technik, Apps und Anbieter*innen ändern sich ständig und rasant. Wir glauben an einen Mehrwert für Kinder und Jugendliche, wobei wir die „Experimente“ in dieser „neuen Welt” sicher noch eine ganze Weile fortführen müssen… Manchmal und immer öfter haben sogar wir Spaß dabei!

Links:
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Ayhan, Hakan und Patrick
JUVIVO.15
Kontakt:

Stadt Wien MA13

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