Ein Tagebuch – Corona und was jetzt?

Die ganze Organisation ist gefordert!

Es traf uns nicht ganz aus heiterem Himmel, jedoch schneller als erwartet: Am Wochenende davor wird von der Bundesregierung beschlossen, dass ab 16. März kein Betrieb mehr an den Wiener Berufsschulen stattfinden darf und somit ist auch der Zugang zu unseren Arbeitsplätzen nur sehr eingeschränkt bis gar nicht möglich. Am 16. März stehen wir vor der Herausforderung, die Erreichbarkeit aller Bereiche des KUS zu gewährleisten. Technisches Equipment vom Smartphone, Laptop bis hin zu mobilen Internetzugängen werden an Kolleg*innen verteilt bzw. müssen erst angeschafft werden, da der gesamte Betrieb auf Homeoffice umgestellt wird und viele Kolleg*innen nicht über die entsprechende Ausrüstung verfügen. Festnetztelefone müssen auf mobile Geräte umgeleitet werden und Termine abgesagt, verschoben oder auf Online-Meetings umgebucht werden. Nach diesen gemeinsamen Anstrengungen können wir noch am 16. März in unserem Facebook-Auftritt und auf unserer Homepage die teilweise geänderten Erreichbarkeiten veröffentlichen. In der ersten Woche finden dann unzählige Online-Meetings über die Plattform ZOOM statt, um die weiteren Vorgehensweisen zu koordinieren.

Hilfe, unsere Zielgruppe ist weg! Oder doch nicht?

Die sozialpädagogischen Einrichtungen an den Wiener Berufsschulen sind niederschwellige Sozialeinrichtungen und hier taucht das nächste Problem auf: Wie erreichen wir unsere Zielgruppe ohne mit den Jugendlichen am Standort in Kontakt treten zu können? Es bestehen weder Klubkartensysteme noch müssen sich die Lehrlinge, die unsere Einrichtungen besuchen, in irgendeiner Weise „registrieren“, weshalb die Sozialarbeiter*innen und Sozialpädagog*innen nur in Ausnahmefällen Telefonnummern bzw. Mail-Kontakte der Jugendlichen haben. Hier greifen wir auf Social Media und Onlineangebote wie Facebook, Instagram, Zoom, Skype, Discord, Bandlab, wetransfer, WhatsApp und Signal zurück, um mit den Lehrlingen in Kontakt zu kommen. Für die Kontaktaufnahme durch die Lehrlinge selbst kommunizieren wir in den digitalen Medien natürlich die E-Mailadressen und Diensthandynummern. Da jedoch die wenigsten Kolleg*innen an den Standorten Diensthandys haben, wird nach Mailanfrage ein Rückruf mit unterdrückter Nummer vom Privathandy angeboten.

Unsere Tätigkeiten leben vom direkten Kontakt mit den Klient*innen und Schüler*innen, sei es in der Beratung, beim Unterricht, beim Sport, im Kulturbereich oder in der sozialen Arbeit. Trotzdem wollen wir natürlich für unsere Zielgruppe präsent sein und stellen deshalb auf digitale Angebote um: Das Lehrlingscoaching, die Berufsmatura Wien und das arbeitsmarktpolitische Programm Complete sind über die jeweiligen Homepages, E-Mail und Telefon-Hotline gut erreichbar. Beratungen finden ausschließlich online und am Telefon statt. Der Unterricht und Kursbetrieb wird auf Distance Learning unter Nutzung von Lernplattformen und diversen Onlinetools umgestellt. Die Erreichbarkeit der KUS-Einrichtungen sind auf der KUS-Homepage aufgelistet und es wird Kontakt mit Direktor*innen, Lehrer*innen und Schülervertreter*innen aufgenommen, um die Onlineangebote bekannt zu machen. Auf einigen Schulhomepages werden diese ebenfalls veröffentlicht.

Stay at home – be active!

Wir wollen aber nicht nur gut erreichbar sein sondern setzten auch aktiv digitale Angebote für die Wiener Lehrlinge, die ich im Folgenden auszugsweise kurz darstellen will. Gesammelt werden diese Angebote in einem eigenen Stayathome-Bereich auf der Homepage, der ständig aktualisiert und erweitert wird, und sie werden auch auf Facebook veröffentlicht:

Die KUS-Küche: KUS-Mitarbeiter*innen stellen ihre Lieblingsgerichte vor – einfach, schnell und preiswert. Nachkochen empfohlen!
Fitness für zu Hause: Hier gibt es kurze und effektive Fitnessübungen für Zuhause inkl. Videotutorial!
Gaberl Challange: Hier können Fußballbegeisterte ein Kurzvideo übermitteln und Geldpreise gewinnen
Kostenlose sexualpädagogische Beratung: Die Covid-19 Krise ist für einige eine willkommene Gelegenheit, das Liebesleben wieder in Schwung zu bringen. Doch soll man in Zeiten von Corona überhaupt noch Sex haben oder ist das zu riskant?
Erstberatung bei rechtlichen Problemen: Kostenlose vertrauliche und auf Wunsch anonyme Erstberatung mit Karin Kleibl bei rechtlichen Problemen und Fragen.
Stay at home – und lernen? Tipps, wie Lernen in der aktuellen Lage auch ohne Schule gut gemanagt werden kann.
Die virtuelle Schreibwerkstatt: Wortinden.Mixer.Klebenlesen.Mixer.Klebenlesen.Lesen. Kreativ Texte schreiben.
Termine für Online-Musikwokshops: Das KUS-Soundprojekt mit seinen Onlineworkshops

Hörst du mich, siehst du mich?

Wir befinden uns in der 5. Woche mit den einschneidenden Maßnahmen verursacht durch Covid 19 und in manchen Bereichen kehrt so etwas wie Routine ein. Online-Meetings stehen auf der Tagesordnung und verschaffen uns Einblicke in so manches private Wohn- und Arbeitszimmer der Kolleg*innen, auch Küchen, Terrassen und Gärten sind dabei. Die neue Begrüßungsformel lautet „Hörst du mich, siehst du mich“ und  das Daten- und Gesprächsvolumen am Handy wird bis zur Gänze ausgeschöpft. Die Luftqualität ist besser, ein Sitzplatz in der U6 sogar zur Stoßzeit garantiert und auch Klopapier wieder zur Genüge vorhanden. Und trotzdem wünschen wir uns alle nur eines: dass sich die Lage normalisiert, die Einschränkungen zu Ende sind und wir wieder an unsere Arbeitsplätze dürfen und vor allem wieder in persönlichen Kontakt mit unseren Zielgruppen treten können!

Bertram Füreder
KUS-Netzwerk
Kontakt:

Stadt Wien MA13

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